5 kurze Tipps zum Teleskop-Kauf
Für Einsteiger und Anfänger gibt es viele Tipps und Infos zum Thema Teleskope bzw. welches Teleskop man kaufen soll. Diese sind von "alten Hasen" geschrieben und meist mit Fachjargon gespickt. Deshalb möchten wir uns im folgenden in 5 kurzen Punkten ohne Fachausdrücke dem Thema Einsteiger-Teleskop widmen:
1. Das Wichtigste zuerst: Teleskop Öffnung
Je grösser der Durchmesser des Spiegels oder der Linse, desto mehr lichtsammelnde Fläche, desto lichtschwächere Objekte können beobachtet werden. Auch das Auflösungsvermögen nimmt zu, d.h. die Abbildung wird detailreicher. Und nicht zuletzt: Es kann höher vergrössert werden. Denn für jedes Teleskop gilt: Die maximale sinnvolle Vergrösserung beträgt das Doppelte der Öffnung in Millimeter. Geht man darüber hinaus, wird das Bild dunkler und unschärfer.
Bspw. hat ein 8" Dobson (= Spiegelteleskop mit 200mm Durchmesser) mehr als die dreifache lichtsammelnde Fläche eines 4,5" (=114mm) Teleskops!
Unser Tipp:
Investieren Sie Ihr vorhandenes Budget lieber in eine grössere Optik als in ein Komplettpaket mit umfangreichen Zubehör. Wie die Erfahrung zeigt, bleibt die Qualität der Optik meist auf der Strecke.
Auch sog. GoTo Teleskope sind nicht so einfach zu bedienen wie von der Werbung oftmals behauptet. Ohne astronomische Grundkenntnisse geht da gar nichts! Viele Teilnehmer in unseren angebotenen Vhs-Kursen, die solche Teleskope gekauft haben, sind mit der Bedienung überfordert. Und ausserdem: Tausende Himmelsobjekte werden zwar mit der Montierung automatisch angesteuert, aber wegen der häufig zu kleinen Optik sind nur sehr wenige dieser Objekte wirklich zu sehen.
Fangen Sie also möglichst einfach an und erweitern Sie dann Ihr Zubehör (siehe Punkt 5) je nach Erfahrung und Bedarf.
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2. Linse oder Spiegel (Refraktor oder Reflektor)
Ein Spiegelteleskop (Newton) bietet - bei gleichem Preisniveau - mehr Öffnung als ein Linsenteleskop, d.h. es können lichtschwächere Objekte beobachtet werden. Allerdings liefert ein Linsenteleskop an Mond und Planeten eine bessere Schärfe und einen höheren Kontrast.
Die geringere Schärfe bei Spiegelteleskopen wird durch die sog. Obstruktion verursacht, da der Fangspiegel im Strahlengang des Hauptspiegels befestigt ist und somit einen Schatten auf diesen wirft. Achten Sie deshalb auf äusserst dünne Fangspiegel-Streben! Ansonsten werfen diese zusätzlich einen Schatten auf den Hauptspiegel.
Linsenteleskope weisen demgegenüber Farbfehler auf, da die Farbbestandteile des sichtbaren Lichts unterschiedlich stark durch eine Linse gebrochen werden. Dies kann man durch sogenannte achromatische oder am besten durch apochromatische Refraktoren (sehr teuer!) reduzieren.
Grundsätzlich gilt: Je länger der Tubus, desto geringer ist der Farbfehler.
Unser Tipp:
Aufgrund des zunehmenden Preisdrucks werden immer häufiger Spiegelteleskope mit einer Korrektor-Linse im Okularauszug angeboten (sog. katadioptrische Teleskope).
Diese Korrektor-Linsen haben die Funktion, die mindere Qualität des Hauptspiegels (billige "Kugel-Spiegel") zu korrigieren, was aber nur unzureichend gelingt. Diese Teleskope haben eine sehr schlechte Schärfe an Mond und Planeten. Das belegen übrigens viele Tests und Erfahrungsberichte von Sternenfreunden. Solche Testberichte findet man in vielen Astroforen.
Wenn Sie ein gutes Spiegel-Teleskop wollen, achten Sie auf den Hinweis parabolischer Hauptspiegel in den technischen Daten! (Seien Sie kritisch, denn gerade bei Online-Auktionen werden Unmengen an katadioptrischen Teleskopen angeboten und leider nicht als solche gekennzeichnet)
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3. Länge des Tubus (Brennweite)
Ein langer Tubus bringt schärfere Abbildungen an Mond und Planeten. Er ist jedoch im Deep Sky Bereich (Galaxien usw.) nicht so lichtstark ist wie ein kurzer Tubus. Weiterhin gilt zu beachten, daß mit zunehmender Brennweite der zu sehende Himmelsausschnitt kleiner wird. Damit wird das Finden von Himmelsobjekten schwieriger!
Das sog. Öffnungsverhältnis (=Brennweite/Öffnung) ist hier zu beachten (Schreibweise als Bruch: "f/x": Je grösser die Zahl "x" desto kleiner ist das Öffnungsverhältnis).
Einfach gesagt: Ein langes Teleskop ist ein Planetengerät (bspw. f/12), ein kurzes ein Deep-Sky Gerät (bspw. f/5).
Unser Tipp:
Für Einsteiger empfehlen wir "Allround"-Teleskope für Planeten und Deep Sky. Das sind Spiegelteleskope mit einem Öffnungsverhältnis zwischen f/6 und f/8 und Linsenteleskope zwischen f/8 und f/10.
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4. Teleskop-Montierung
Eine stabile Montierung ist genauso wichtig wie eine gute Optik!
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen parallaktischen (oder äquatorialen) und azimutalen Montierungen. Parallaktisch bedeutet "parallel zur Erdachse", d.h. dass die Montierung am Himmelsnordpol ausgerichtet wird und man durch Nachführen nur einer Achse (der sog. RA-Achse bzw. Stundenachse) die Erddrehung ausgleicht. Würde man dies nicht tun, wäre bspw. der Saturn nach spätestens 30 Sekunden aus dem Blickfeld verschwunden. Die Suche müsste von Neuem beginnen, gerade für einen Einsteiger sehr ärgerlich!
Bei azimutalen Montierungen erfolgt das Nachführen über zwei Achsen, einer horizontalen und einer vertikalen Achse.
Eine Dobson Montierung ist azimutal und durchaus für Einsteiger geeignet, da sie sehr stabil ist. Bei dieser Montierung erfolgt die Nachführung - wie gesagt - über zwei Achsen. Zwar ist hier etwas mehr Übung gefragt, jedoch ist diese Lösung deutlich preiswerter. Ein späterer Zukauf einer parallaktischen Montierung ist immer möglich. Der Tubus wird mittels Rohrschellen einfach auf die neue Montierung gesetzt.
Bitte beachten Sie:
Skywatcher verwendet die Bezeichnung EQ-1 bis EQ-6 Pro (EQ steht für "equatorial"). Aufgrund des grossen Markterfolges dieser Montierungen gibt es Nachbauten unter gleichem Namen. Diese unterscheiden sich jedoch deutlich in der Stabilität und Ausbaubarkeit. Wenn Sie bspw. an einer "EQ-3" ein grosses verchromtes Zahnrad sehen, handelt es sich nicht um eine Skywatcher Montierung. Diese "EQ-3" ist deutlich kleiner und leichter und kann auch nur mit einem RA-Motor nachgerüstet weden (kein DE-Motor möglich). Früher wurde diese "EQ-3" als Astro-3 bezeichnet.
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5. Teleskop-Zubehör
Für den Anfang reichen 3-4 Okulare völlig aus, d.h. Sie haben 3-4 unterschiedliche Vergrösserungen. Bitte bedenken Sie, dass Vergrösserungen über 250fach in unseren Breiten nur bei besten Bedingungen realisierbar sind. Dies ist nur an wenigen Tagen im Jahr der Fall. Übrigens hat ein Fernglas eine 10fache Vergrösserung , d.h. das Teleskop vergrössert hier 25mal höher! Die max. sinnvolle Vergrösserung liegt bei der 2 fachen Öffnung in mm. Darüberhinaus wird die Abbildung wieder schlechter. Welche Okulartypen es gibt und was sie leisten, erfahren Sie auf unserer Okularseite.
Ab 6" Öffnung sollte ein Mondfilter verwendet werden, da man sonst bei der Mondbeobachtung geblendet wird.
Ab 8" Öffnung empfiehlt sich ein Justierlaser, da Haupt- und Fangspiegel nach Transport aus der Justage geraten können. In nur 2 Minuten ist das Spiegelteleskop dann wieder exakt justiert.
Als Literatur empfehlen wir eine wasserfeste drehbare Sternenkarte (neben den Sternbildern müssen alle Messier Objekte, M1-M110, und einige hundert NGC Objekte verzeichnet sein!). Sowie den "Fernrohrführerschein in 4 Schritten" (siehe auch unsere Buchtipps).
Haben Sie noch irgendwelche Fragen? Einfach eine Mail schreiben:
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